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Lebensnahe Aufgabenformate im Deutschunterricht

Datum 02.05.2018

In der 11. Klasse lautete die Aufgabe:

An Ihrer Schule findet in diesem Schuljahr zum zweiten Mal eine Autorenlesung statt. In einem Artikel für die Schülerzeitung teilen Sie der Schulgemeinde Ihre Auffassungen zum Wert von Autorenlesungen mit.

Lesen Sie hier das Beispiel von Matthew Mwenda:

Autorenlesungen an der DSN: Welchen Zweck hat überhaupt das Ganze?

Am Dienstag den 13.3. findet zum zweiten Mal in diesem Schuljahr eine Autorenlesung an der DSN statt. Dieses Mal ist die junge österreichische Autorin Valerie Fritsch zu Gast. Die 28-Jährige schrieb 2015 ihr bekanntestes Buch „Winters Garten“, in dem es um ein „verlorenes Idyll in einem zerfallenden Weltgeschehen geht“. Es stellt den Weltuntergang in einem neuen Licht dar und regt sehr zum Nachdenken an. Eingeladen zur Lesung sind alle, geleitet und moderiert wird sie von der 10. Klasse, und die Zehner sowie die Elfer sind verpflichtet, an der Veranstaltung teilzunehmen. Doch ich – und ich stehe hier nicht alleine – frage mich: Wer kommt jetzt eigentlich wirklich freiwillig? Und was ist der Sinn von Autorenlesungen an der Schule?

 

In einem Punkt sind sich sehr viele in meiner Altersgruppe einig: Wenn Lesungen außerhalb des Unterrichtsrahmens stattfinden, so wie bei Ilija Trojanow und jetzt bei Fritsch, müssen wir Schüler unsere Freizeit dafür hingeben, was die meisten als etwas lästig erachten. Es heißt oft, man will in seiner Freizeit lieber Sport treiben, sich mit Freunden treffen oder Hausaufgaben machen und sich auf den nächsten Schultag vorbereiten, statt bei einer Lesung zu sitzen.

Zusätzlich würde gegen Lesungen sprechen, dass es unter Jugendlichen allgemein kein sehr großes Interesse für das Lesen gibt. Laut einer Statistik des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, veröffentlicht 2016, lesen zwar ein Großteil der 1200 befragten Jugendlichen mehrmals pro Woche, aber man muss bedenken, dass Jugendliche immer mehr und mehr Zeit online verbringen. Besonders unter meinen Klassenkameraden fällt auf, dass aufgrund sozialer Medien vor allem wenig Zeit für Literatur bleibt, es gibt keine große interessierte Leserschaft.

Auch fehlt es oft an Interesse, weil der Schwierigkeitsgrad der Inhalte und besonders der Sprache bei Lesungen oft sehr hoch ist. In seiner Stellungnahme zu Fritschs „Winters Garten“, geschrieben für den Tagesspiegel, beschreibt Moritz Scheper die Sprache im Roman als „apart und angestaubt zugleich“ und die Zitate aus dem Buch, die in seinem Artikel auftauchen, weisen einen komplexen Wortschatz sowie einen z.T. sehr verwirrenden, sehr hypotaktischen Satzbau auf. Ebenso ist das Buch laut Scheper eine Art Gedankensexperiment, das sich deshalb also sehr langsam liest. Viele Schüler werden von diesem notwendigen Zeitaufwand abgestoßen.

Darüber hinaus ist mein letzter zu betrachtender Punkt gegen Autorenlesungen die Tatsache, dass Schüler oft verpflichtet sind, an ihnen teilzunehmen. Z.B. mussten alle Schüler aus Klasse 11 zur Lesung mit Trojanow (ja wir haben sie organisiert, aber trotzdem), und wir müssen auch am 13. zur Lesung mit Fritsch. Wer als Zuschauer nur bei so einer Autorenlesung sitzt, weil er es muss, langweilt sich quasi sofort. Man passt nicht auf, hört nicht zu, denkt nicht mit, und am Ende lernt man auch nichts Neues. Man verbringt eine oder zwei Stunden seines Tages damit, aber letztendlich hat dann in so einem Fall die Lesung überhaupt nichts gebracht, weil man nichts mitnimmt.

 

Aber trotz aller Beschwerden von Seiten der Schüler über Lesungen ist ihr Wert nicht zu unterschätzen. Solche Veranstaltungen an der Schule sind sehr wichtig, vor allem unter dem Aspekt, dass sie jeder möglichen Altersstufe angepasst werden können. Der Friedrich-Bödecker-Kreis, der das Lesen von Kindern und Jugendlichen fördert, und auch Lesungen organisiert, ist der Auffassung, dass es möglich ist, für jede Altersstufe das Richtige zu finden, es gibt keine Einschränkungen. Außerdem sind Lesungen besonders interessant, effektiv und Interesse weckend, wenn sie Themen behandeln, die den Schülern wichtig sind. Beispielsweise war ein Grund für den Erfolg von Trojanows Lesung die Tatsache, dass er Schüler an unserer Schule war und dass er ein Buch über seine Jugend in Kenia verfasst hat.

Dies bringt mich zu meinem nächsten Punkt. Bei Lesungen werden Autoren, Schüler und Lehrer zusammengebracht. Durch den Dialog mit dem Autor kann man sich viel besser mit ihm/ihr identifizieren, wie in unserem Fall mit Trojanow. Man lernt etwas über die inspirierenden Motive, die hinter dem literarischen Werk stecken und man lernt auf einer persönlichen Ebene den Autor kennen.

Zudem fördern Lesungen das Lesen im Allgemeinen. Der Friedrich-Bödecker-Kreis  schreibt, dass Lesungen Augen und Ohren öffnen, Fantasie fördern und eigentlich teilweise langweilige Lektüren als etwas Interaktives lebendig erfahrbar machen. Dadurch, dass Autor, Schüler und Lehrer zusammengebracht werden, entsteht eine neue Leserschaft und mehr Interesse für Bücher.

Lesungen sind sehr wertvoll, weil man mit verschiedenen Autoren immer etwas Neues erlebt. Man lernt auch viel Neues; über den Prozess des Schreibens, übers Kreativsein, über Individualismus in der Literatur, über wissenschaftliche Entdeckungen und politisch – historische Ereignisse, auch über verschidene Lebensansichten. Die Lesung mit Trojanow hat mich und meine Klassenkameraden zum Nachdenken angeregt. Wir haben eine neue interessante Perspektive vom Leben in Kenia erhalten und Trojanows Geschichte hat sogar bei einigen für eine Änderung der Lebenseinstellung gesorgt. Wir haben wichtige Ideen mitgenommen, die wir nie vergessen werden.

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