Praktikumsbericht: Julia Pantel

Mein Praxissemester stand bevor und ich musste mich entscheiden, wo ich kurz vor Studienende meine Lehrerfahrungen im Klassenzimmer sammeln wollte.

Für mich fiel die Entscheidung auf Nairobi in Kenia.

Vor Abreise stand ich in gutem Kontakt mit der deutschen Schule und es schien alles sehr geregelt zu sein. Der Kontakt zu meinen Mitpraktikanten wurde hergestellt, ein Taxi vom Flughafen zur Schule sollte mich abholen und selbst die Unterkunft auf dem Schulgelände war für uns kostenlos.

Super! Also nichts wie los!

 

Ankunft in Kenia

Trotz leichter Nervosität landete ich pünktlich gegen späten Abend am Flughafen in Kenias Hauptstadt. Ihr solltet euch darauf einstellen, dass ihr 40 Euro cash in der Tasche habt, um vor Ort euer Touristenvisum zu zahlen.

Falls ihr allerdings keine Lust auf eine Stunde Schlange stehen habt, könnt ihr das Visum auch schon online beantragen, was jedoch teurer ist und nur bedingt eine verkürzte Wartezeit zur Folge habt.

Denn das kenianische Motto in allen Dingen lautet: „Pole Pole“ (langsam, langsam!!!)

Eigentlich sollten wir auch ein Arbeitsvisum von der Schule bekommen, jedoch gab es anscheinend Schwierigkeiten mit der Beantragung über die Schule, sodass ihr euch zunächst ein einfaches Touristenvisa kaufen solltet.

Endlich an der Schule angekommen (in welches Haus muss ich, wo ist mein Zimmer?) gab es ein herzliches „Hallo“ von einem Mitpraktikanten, der zum Glück über´s Wochenende „zu Hause“ geblieben ist. Denn seid euch sicher: es ist so viel unkomplizierter alles von einem euer WG- Mitbewohner gezeigt zu bekommen, als euch allein durch das afrikanische Chaos zu fragen ;-).

Das Praktikantenhaus liegt direkt auf dem Schulgelände und hat 4 Zimmer, die ihr euch mit euren Mitpraktikanten teilt. Stellt euch also auf ein buntes WG- Leben ein! J

 

 

Leben in Nairobi:

Kauft euch direkt eine kenianische SIM Karte von Safari-Com und richtet euch den Geld-Überweisungsdienst M-Pesa ein! Es ist immer gut etwas Bargeld in der Tasche zu haben, jedoch ist die bargeldlose Variante über´s Handy für große Beträge, wie Nationalparkeintritte etc. viel unkomplizierter. Eine VISA- Karte ist außerdem hilfreich, denn damit könnt ihr auch (fast) überall bezahlen.

Für schnelle Einkäufe, die jedoch etwas teurer sind, bietet der Village Markt, direkt gegenüber der Schule, gute Möglichkeiten Lebensmittel, Schreibwaren und alles mögliche Andere zu kaufen.

Wollt ihr es jedoch etwas afrikanischer und aufregender, fahrt zu dem etwa 10 Minuten entfernten Mark „Ruaka“. Dort gibt es neben zahlreichen Obst- und Gemüseständen auch einen Supermarkt, der euch mit Lebensmitteln versorgt. Generell sind Milchprodukte sehr teuer, aber wenn ihr gemeinsam mit euren WG- Mitbewohner einkauft und kocht, kommt ihr gut zurecht.

Eins gilt ganz klar in Kenia: Alles ist etwas chaotischer, lauter und staubiger. Und: Langsamer! Zeiten werden hier sehr flexibel gehandhabt und Termine…naja, da muss man schon drei- bis viermal nachfragen bis der Klempner kommt ;-). Aber es klappt trotzdem (fast) alles J.

Als weiße Frau ist es ratsam, nicht alleine unterwegs zu sein und sich darauf einzustellen, dass man oftmals von den einheimischen Männern angesprochen wird. Ich hatte das Glück meistens mit meinen WG- Jungs unterwegs zu sein, sodass ich keine unangenehmen Erlebnisse hatte. Im Großen und Ganzen habe ich mich wirklich sicher gefühlt und sehr nette und interessierte Kenianer und Kenianerinnen kennen lernen dürfen.

Um von A nach B zu kommen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Variante 1 ist das Matatu, ein Kleinbus der teils mit 20 Menschen vollgestopft wird und mit wummerndem Beat durch die Stadt fährt. Auf jeden Fall ein Erlebnis wert!

Variante 2 ist das Motorrad Taxi. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da man als Beifahrer keinen Helm hat und die Straßen voll und teils sehr kaputt sind.

Variante 3 und wohl die Entspannteste, wenn auch etwas teurer: UBER und TAXIFY. Beide Apps sind gut, um sich ein Taxi zu bestellen und die Stadt und die Umgebung zu erkunden.

Deutsche Schule Nairobi

Das Schulgelände der deutschen Schule ist sehr großzügig und bietet wunderbare Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten (der Pool ist direkt neben dem Internhaus).

Der Garten des Praktikantenhauses ist super, um sich vom Schulalltag zu erholen und das warme Wetter zu genießen. Allerdings fühlt man sich auf dem Gelände schnell wie in einer Blase, denn die afrikanischen Einflüsse spürt man hier nicht.

Versucht dementsprechend mindestens am Wochenende viele Ausflüge zu machen, um Land und Leute kennen zu lernen!

 

Zu Beginn eures Praktikums stellt ihr euren Stundenplan selbst zusammen, müsst jedoch auf mindestens 23 Stunden pro Woche kommen. Bei uns gab es Ausnahmen, bezüglich der Stundenanzahl, da der Workload für die Universität wohl sehr hoch war. Generell sind aber 23 Stunden total gut machbar, vor allem weil ihr auch häufig „nur“ hospitiert.

Außerdem seid ihr ja hier, um Unterrichtserfahrungen zu sammeln!

Die Lehrer_innen, bei denen ihr mit in den Unterricht möchtet, müsst ihr selbst ansprechen und in der ersten Woche schauen, ob alles mit eurem Stundenplan passt.

Ihr müsst euch darauf einstellen, dass viele Unterrichtstage wegen Festen, Ausflügen oder anderen Aktivitäten ausfallen, sodass ihr frühzeitig mit euren Lehrer_innen Themen und Daten festlegen sollten, wann ihr selbst den Unterricht anleitet (Material geben euch die meisten Lehrer_innen).

In den Mittagspausen (13.00 – 14.00 Uhr) habt ihr Mensaaufsicht. Das bedeutet, dass ihr die Schüler_innen (insbesondere die Kleineren) beim Mittagessen beaufsichtigt und für Ordnung sorgt. Danach könnt ihr selbst zu Mittag essen, was manchmal zeitlich sehr knapp ist, da auch am Nachmittag Unterricht stattfindet.

Zusätzlich zum Schulalltag gibt es auch immer wieder Anfragen, bezüglich Nachhilfe-angeboten. Falls ihr Lust und Zeit habt, ist es eine gute Möglichkeit ein wenig zu dem doch recht teuren Leben in Kenia dazu zu verdienen und die Familien der Schüler_innen sind sehr dankbar für die Unterstützung.

Insgesamt sind die Klassen im Verhältnis zu deutschen Klassen kleiner, manchmal nur 9 oder 10 Schüler_innen. Insgesamt ist viel Eigeninitiative und Improvisation gefragt, damit alles so klappt, wie man sich das vorstellt, aber ich bin sehr froh hier mein Praxissemester in Kenia an der deutschen Schule gemacht zu haben.

Ich hatte tolle Mentoren, die mir viel gezeigt haben, bei denen ich gute Unterstützung bekommen und mit denen ich gern zusammen gearbeitet habe.

Meine Zeit in Kenia werde ich so schnell sicher nicht vergessen!

Dafür ein dickes Dankeschön, ich werde euch vermissen!

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